did they manage that so fast? Then suddenly they fall silent, staring into different far-off points, breathing deeply and deliberately, until one of them calmly remarks: “Actually, I’m kind of glad that you’re not telling me what happened to you on Sunday.” “Seriously?” “Yes. I mean, when you think about it, you could’ve just lied to me.” “Hm. I could have, yes.” “But clearly you didn’t want to.” “No. Even though I figured it might lead to a discussion.” “And still, you were honest enough not to tell me openly. That’s a sign of trust.” “Hm, yes. True friends don’t hide the fact that they’re hiding things from each other.” “Exactly. You can’t really trust someone who just tells you everything.” Both laugh contentedly, get up, hug, pay, and stroll off, still chatting. As I watch them go, slightly envious, the waiter brings me another slice of cake without asking. I wave him off. “Sorry, you lose that bet. Definitely no second slice for me.” He leans in close. “What if I told you – if you did take a second slice – what really happened on Sunday?” Ah, Travemünde. They really do know how to sell cake. And by the way – it wasn’t bad, that cake. Tasted almost like cheesecake, actually. den Damen am Nachbartisch verpasst. Versuche, wieder einzusteigen. » … und ich weiß dann nämlich schon, was ich nich sage, was Du weißt, was ich mir schon denken kann, was ich meine, was Du Dir denken kannst, was Du schon weißt, wovon ich glaube, was Du denkst, was ich weiß, was Du meinst, wo ich denke, wieso Du denkst, was ich meine, was Du schon weißt, warum ich denke, was Du meinst und wieso.« Ihre Köpfe sind längst knallrot. Die Haare wirken zerzaust. Wie haben die das so schnell geschafft? Plötzlich jedoch sind sie ganz still, schauen zu verschie- denen, weit entfernten Punkten, atmen bewusst und tief durch, bis die eine verblüffend sachlich feststellt: »Ach, eigentlich finde ich das ja auch irgendwie gut, dass Du mir nicht sagst, was Sonntag war.« »Im Ernst?« »Ja. Ich meine, wenn ich mir das recht überlege, hättest Du mich ja schließlich auch einfach anlügen können.« »Hm. Können hätte ich das wohl gekonnt.« »Aber wollen wollteste das ja offensichtlich nicht.« »Nee. Obwohl ich mir auch schon gedacht habe, dass das dann zu Diskussionen führt.« »Und trotzdem warst Du so aufrichtig, mir ganz offen nichts zu verraten. Is ja an sich ein Vertrauensbeweis.« »Hm. Weil sich echte Freundinnen eben nicht ver- heimlichen, dass sie sich Dinge verheimlichen.« »Genau. Jemandem, der einem einfach so immer alles verrät, will man dann ja auch nichts wirklich anver- trauen.« Beide lachen zufrieden, stehen auf, herzen sich, zahlen und gehen entspannt scherzend raus. Während ich ihnen neidisch nachschaue, bringt mir der Kellner ungefragt das zweite Stück Torte. Ich winke ab. »Tut mir leid. Die Wette verlieren Sie. Für mich sicher kein zweites Stück.« Er beugt sich tief zu mir runter: »Und wie wäre es, wenn ich Ihnen, falls Sie doch ein zweites Stück nehmen, verraten würde, was jetzt eigentlich am Sonntag gewesen ist?« Mensch, Travemünde. Die wissen aber schon, wie man die Torte verkauft. War übrigens gar nicht schlecht. Diese Torte. Hat tatsächlich fast wie Käsekuchen geschmeckt. HORST: EVERS: »Wer alles weiß, hat keine Ahnung«, © Januar 2021, Rowohlt · Berlin Verlag GmbH, Berlin HORST EVERS: Wer alles weiß, hat keine Ahnung [People Who Know Everything Don’t Have a Clue]. © January 2021, Rowohlt: G E N I E S S E N 87